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Zeitungsbericht vom 27.05.16

Artikel vom 26.07.2016

Ozon soll Keime in der Schussen abtöten

Grund für Badeverbot: Starkregen mit überbordenden Wassermengen kann die Kapazitäten von Kläranlagen sprengen

Auch die Kläranlage in Eriskirch soll eine vierte Reinigungsstufe bekommen. Die sogenannte Ozonierung soll Keime im Klärwasserabtöten. Alexander Mayer

Eriskirch sz „Den Letzten beißen die Hunde“ heißt ein altes Sprichwort. Jetzt haben sie in Eriskirch zugebissen. Die Bürger der Seegemeinde sind nämlich die letzten im Glied der insgesamt 230 000 Menschen im gesamten Schussental, deren mehr oder weniger gut gereinigte Abwässer in der Schussen und letztendlich im Bodensee landen. Die Folge: immer wieder gefährliche Keime und Spurenstoffe im Wasser. Die kommen zum Leidwesen der Eriskircher auch dort an, wo im Strandbad Menschen baden wollen. Was sie aber nicht mehr dürfen, weil die EU nun ein ganzjähriges Badeverbot im See ausgesprochen hat.

Ein langes Lied vom Leid im Strandbad weiß Markus Spieth zu singen. Er ist seit 1993 Bürgermeister von Eriskirch. Und nicht nur das. Spieth hat sich Jahrzehnte lang als Vorsitzender des Abwasserverbandes Unteres Schussental (AUS) mit der Belastung der Schussen beschäftigt. Auch als heutigen Stellvertreter hat ihn der Moorfluss mit seinem braungefärbten Wasser nicht losgelassen. Die grünen und roten Flaggen in seinem Strandbad begleiten ihn seit Jahren: „Schon Anfang der 90er Jahre hat’s in Eriskirch Badeverbote gegeben“, sagt er.

Warum die Schussen so dreckig ist und wie man dies ändern kann, hat vor Jahrzehnten schon das Institut für Seenforschung in Langenargen untersucht. Das Ergebnis der Forscher: Fehlende Regenüberlaufbecken im Einzugsbereich der Kläranlagen und fehlende Anschlüsse an die Kanalisation und nachgelagerten Klärwerke (sprich: ungeklärtes Abwasser floss direkt in die Schussen und damit in den See) sind für den schlechten Ruf des Flusses verantwortlich gewesen. Allein 1400 Personen im Einzugsgebiet des AUS, so das damalige Ergebnis, entledigten sich ihrer häuslichen Abwässer ohne Anschluss an die Kanalisation. Selbst im Schussenwasser schwimmende Fäkalienreste waren so keine Seltenheit.

Vorbei. Die lange Zeit problematische Abwassermengen produzierende Papierfabrik in Baienfurt ist längst dichtgemacht, und auch die unübersehbaren Fäkalienreste gehören der Vergangenheit an. Vor allem aber, der von den Langenargener Seenforschern mitgelieferte Maßnahmenkatalog hat Früchte getragen. „Wir haben inzwischen Vollanschluss“, sagt Heiko Kiebler. Er ist ein Mann der Praxis, leitet als gelernter Abwassermeister seit 1993 das Klärwerk in Eriskirch.

Der alte Hase bei Abwasserfragen weiß auch, dass die Seenforscher nach ihren Untersuchungen den Finger in die Wunde fehlender Regenüberlaufbecken gelegt haben. „Wir haben in unserem Einzugsgebiet diese Kapazitäten der Überlaufbecken deutlich gesteigert.“ Und nicht nur das. Heiko Kiebler und sein Klärwerkteam können den Zulauf der einzelnen Becken zum Klärwerk in Eriskirch auch steuern. Mengenmäßig wie zeitlich. Das passiert heute online. „Wir können selbst bestimmen, welche Wassermengen auf unser Klärwerk zukommen.“

Abriegeln, damit die Reinigungsleistung erhalten bleibt

So weit so gut. Ein nach wie vor großes Problem aber bleibt. Bürgermeister Markus Spieth beschreibt es mit einem Wort: „Starkregen“. Dann können sich Regenüberlaufbecken „verschlucken“; dann rauschen solchen Wassermengen auf die Kläranlagen zu, dass die maximale Leistungsfähigkeit überschritten wird. Nun haben die Eriskircher nach Worten ihres Abwassermeisters die Kapazitäten ihrer Anlage nahe des Seeufers zwar angepasst. „Ursprünglich waren 270 Liter pro Sekunde drin, jetzt sind es 350 Liter pro Sekunde, welche die Anlage schlucken kann, damit die Reinigungsleistung erhalten bleibt.“

Kommt aber noch mehr Wasser (Heiko Kübler: „Das kommt immer wieder vor“), dann muss die Anlage vor dem „Ausschwemmen“ geschützt werden. Konkret: Überschießende Wassermengen werden zwar noch mechanisch gereinigt, fließen ansonsten aber an der Kläranlage vorbei – und gelangen so ungereinigt in die Schussen und damit in den See.

„Das passiert so lange, bis die Aufnahmekapazität der Kläranlage wieder gewährleistet ist“, erklärt Heiko Kiebler. Dieses Prozedere sei übrigens nicht nur Praxis in der Anlage des AUS. Das gelte für alle Kläranlagen im Einzugsgebiet des Bodensees, weiß der altgediente Abwassermeister.

Dass bei starken Regengüssen die Kläranlagen über Maß gestresst werden, hängt aber noch mit einer anderen Problematik zusammen. Im Einzugsgebiet des Bodensee wird traditionell über das sogenannte Mischsystem entwässert. Sprich, vom Hausdach ablaufendes Regenwasser (das gering belastet ist) fließt in dieselbe Kanalisation wie häusliches Schmutzwasser. Keine Frage: Bei entsprechenden Regenmengen werden Regenüberlaufbecken genauso überstrapaziert wie Kläranlagen. Da kommt in kurzer Zeit einfach des Guten zu viel.

Bürgermeister Spieth weiß zwar, dass seit Beginn der 90er Jahre das Trennsystem das Mischsystem mehr und mehr verdrängt. Aber auch innerhalb des AUS, in Eriskirch, Tettnang und Meckenbeuren, gebe es nach wie vor beide Entwässerungssysteme. Und auch dort, wo Trennsysteme Abwasser-Alltag seien, so Markus Spieth, kämpfe man nach wie vor mit Falscheinleitungen. Spieth spricht von „Sisyphus-Arbeit.“ Davon, „dass wir seit Jahren damit beschäftigt sind, die Falscheinleiter zu finden“. Die Liste der schwarzen Schafe beginnt bei den Häuslesbauern und endet erst bei Drainageleitungen für landwirtschaftliche Grundstücke.

Im Einzugsgebiet der bei Bad Schussenried entspringenden Schussen liegen 13 mehr oder weniger große Kläranlagen, die nach Stand der jeweilig verfügbaren Reinigungstechnik geklärtes Schmutzwasser in den Fluss ableiten. Im Fall des Falles, bei großen Regenmengen, so haben es Forscher des Seenforschungsinstituts errechnet, dauert es maximal 24 Stunden, bis das Wasser von der Schussenquelle an der Mündung in Eriskirch ankommt. Deshalb galt bislang die Regelung, dass im Strandbad maximal 48 Stunden lang die rote Flagge weht – Badeverbot im See. Spezielle Problematik am Eriskircher Ufer. Die von der Schussen möglicherweise transportierten ökotoxischen Stoffe tauchen nicht in die Tiefen des Sees ein. Sie verteilen sich im großen Flachwasserbereich vor Eriskirch an der Wasseroberfläche.

Badeverbot im Strandbad: EU spricht Machtwort

Die Eriskircher Flaggen-Regelung ist Schnee von gestern. Die neuen EU-Richtlinien wollen es so. Bürgermeister Spieth und die Eriskircher Badegäste sind damit die letzten, die vom Hund gebissen werden. „Die Bisswunden aber werden heilen“, ist Markus Spieth überzeugt. Sie werden deshalb heilen, weil die hochgerüsteten Klärwerke in Ravensburg und bald auch Eriskirch ihre Wirkung nicht verfehlen werden. „Die aktuell gemessenen Werte bei Keimen wie bei Spurenstoffen sind schon jetzt viel geringer als die Werte, welche die EU zur Grundlage des letztendlich ausgesprochenen Badeverbots herangezogen hat.“

von

Alexander Mayer

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